Vielleicht bist du nicht „zu introvertiert“. Vielleicht hast du dir nur zu lange erzählen lassen, was ein introvertierter Mensch angeblich nicht kann.
Dir hat jahrelang die Gesellschaft erzählt, was eine ruhige bzw. introvertierte Person angeblich nicht kann, und du hast dich damit identifiziert und es zu deiner Persönlichkeit gemacht?
Kürzlich habe ich in einem Substack-Artikel über Introversion als selbsterfüllende Prophezeiung gelesen. Diese Labels, die wir uns umhängen, erfüllen sich von selbst, weil wir daran glauben und uns so definieren.
Wie oft denkst du bzw. sagst du über dich selbst:
- „Ich bin halt faul.“
- „Ich bin halt ruhig.“
- „Ich bin … deshalb kann ich … nicht.“
Dein Gehirn glaubt, dass das deine fixierte Persönlichkeit ist, und du verhältst dich dann auch so.
Zum einen gibt es Persönlichkeitsmerkmale, die du nur bedingt ändern kannst, und zum anderen ist Persönlichkeit flexibel.
Ein gutes Buch dazu ist „Personality Isn’t Permanent“ von Benjamin Hardy.
Und so bin ich der Meinung, dass Introversion bzw. Extraversion durch den Aufbau deines Gehirns bestimmt wird.
Introversion: Dein Gehirn verarbeitet alles langsamer, aber intensiver. Du nimmst mehr wahr und musst dadurch mehr verarbeiten. Und deshalb brauchst du Ruhezeit, um Energie zu tanken.
Das ist ein Grundgerüst, das du nicht ändern kannst.
Was du aber ändern kannst, ist deine Persönlichkeit bzw. was du unter Labels wie Introversion verstehst.
Eine der wichtigsten Life-Lessons ist es, zu akzeptieren, was man nicht ändern kann, und sich auf das zu fokussieren, was man ändern kann. Und das machen wir jetzt.
Was du als introvertierte Person nicht bzw. nur bedingt ändern kannst
Du kannst deine Introvertiertheit nicht einfach aufgeben und extrovertiert sein.
Wenn du es auf die Art „Fake it till you make it“ probierst, wirst du schnell ausgelaugt sein.
Zu einem gewissen Grad kannst du auf der Skala zwischen Introversion und Extraversion in die Mitte wandern. Das machen wir Menschen im Laufe des Lebens generell.
Aber du kannst nicht von einem Tag auf den anderen switchen.

Das ist etwas, das du nicht ändern kannst.
Manche sagen dann: „Aber ich bin den ganzen Tag in Meetings, rede vor Gruppen und leite Diskussionen. Ich bin nicht mehr introvertiert.“
Introvertiert oder extrovertiert zu sein ist kein Verhaltensmuster.
Verhalten kann man trainieren. Skills wie Präsentieren und Diskutieren kann man lernen.
Wie fühlst du dich nach einem langen Tag voller Diskussionen und Präsentationen? Ausgelaugt und du brauchst Ruhe, um dich zu erholen? Dann bist du noch immer introvertiert.
Das bedeutet aber nicht, dass du Meetings nicht führen kannst.
Auch Netzwerken kostet dich mehr Energie, aber das bedeutet nicht, dass du schlecht darin bist oder asozial.
Wo du deine Energie bekommst, hat nichts mit deiner Kompetenz zu tun.
Introversion hat oft noch eine negative Konnotation und deshalb gibt es viele Introvertierte, die versuchen, sich das abzutrainieren und sich dann selbst verleugnen.
Fakt ist: Du brauchst Ruhe, um dich zu erholen. Dein Gehirn braucht Ruhe, um die Eindrücke zu verarbeiten.
Fakt ist aber auch, dass du alles andere ändern kannst.
Das Label „introvertiert“ und limitierende Glaubenssätze
Ich bezeichne mich als introvertiert.
Aber ich sehe es nicht als limitierendes Label, das mich als Person definiert.
Diese Limitierungen wurden von der Gesellschaft über ruhige Menschen aufgestellt.
Und diese sind zu den Regeln geworden, nach denen du lebst.
Aber jede Person ist einzigartig.
Keine von uns kann man in eine Schublade stecken.
Wenn jemand „Ich bin halt introvertiert“ als Ausrede nutzt, dann limitiert sie sich selbst, indem sie sich zu einer Gruppe zugehörig fühlt, aber negativ über dieses Label denkt.
- „Ich bin ruhig, deshalb mag ich keine Führungspositionen.“
- „Ich bin introvertiert, deshalb will ich nicht präsentieren.“
- „Ich bin ruhig, deshalb kann ich nicht verkaufen.“
- „Ich kann nicht so gut mit Menschen und deshalb gehe ich nicht zu Partys, weil die awkward sind.“
- „Ich bin ruhig, die Leute verstehen mich nicht und deshalb habe ich keine Freunde bzw. Beziehungen.“
- „Ich bin introvertiert, deshalb gehe ich nicht zu Netzwerkveranstaltungen. Da fühle ich mich unwohl und keiner redet mit mir.“
Diese Aussagen sind nur limitierende Glaubenssätze in deinem Gehirn. Regeln, die du dir gegeben hast.
Introversion hat per se nichts mit deinem Verhalten zu tun.
Ja, wir mögen lieber Ruhe und Alleinsein, aber das schließt Partys und Netzwerken nicht aus.
Ja, wir brauchen Ruhe, weil wir mehr wahrnehmen und mehr verarbeiten, aber das schließt spannende Gespräche, Abenteuer und erfüllende Jobs und Beziehungen nicht aus.
So ein Label kostet dich Erfolg und ein glückliches Leben, wenn du dich damit persönlich identifizierst und dich dadurch zurückziehst.
Man kann mit allem umgehen lernen. Man kann alles lieben lernen.
Diese limitierenden Glaubenssätze sind selbsterfüllende Prophezeiungen.
Wenn dein Gehirn schon weiß, dass die Party awkward wird, dann wird sie es auch.
Wenn du glaubst, dass dich und deine ruhige Art keiner versteht, dann wirst du auch keine Gleichgesinnten finden.
Wenn du dich nicht für die Präsentation, die Führungsposition oder das Event entscheidest, dann sieht dein Leben irgendwann wirklich so aus, als hätte dein Label recht gehabt.
Was du als Introvertierte ändern kannst
Stell dir vor, du kannst sagen:
- „Ja, ich bin introvertiert und kann trotzdem einen Raum halten.“
- „Ja, ich brauche danach Ruhe und kann trotzdem auf der Bühne stehen und eine mega Speech geben.“
- „Ja, ich bin ruhig und genau deshalb hören mir Menschen zu, wenn ich etwas sage.“
Du kämpfst dann nicht mehr gegen deine Persönlichkeit, weil du mit dir arbeitest, wächst und lebst.
Dieses Mindset, das du jetzt über dich hast, hast du über Jahre aufgebaut. Und das kannst du auch wieder verändern und abbauen.
Hast du schon einmal deine Meinung über etwas geändert?
Zum Beispiel habe ich als Kind keine Pizza gemocht. Und jetzt als Erwachsene ist es eine meiner Lieblingsspeisen. Ich habe einfach eine andere Art von Pizza ausprobieren müssen, die es für mich als Kind damals nicht gab, und dann hat es mir geschmeckt.
Und so kannst du auch deine Meinung zu dir oder deiner Introversion ändern.
1. Erkenne die Stärken deiner Introversion
Fangen wir damit an, dass Introversion auch Stärken hat:
- Du bist fokussiert.
- Du bist empathisch.
- Du hörst zu.
- Du hast Tiefe.
- Du brauchst das Rampenlicht nicht.
- Du denkst, bevor du sprichst.
- Du bist ruhig und gelassen.
- Du erkennst und siehst mehr.
Was sind deine Stärken als Introvertierte?
Mache sie dir bewusst und nutze sie!
2. Du bist nicht nur ein Label
Ich weiß, wir lieben es, uns mit einer Gruppe zu identifizieren.
- „Ich bin vegan.“
- „Ich bin Bayern-München-Fan.“
- „Ich bin Taylor-Swift-Fan.“
Weil man sich zugehörig fühlt.
Und Menschen sind halt soziale Wesen. Ja, auch Introvertierte.
Kritisch wird es, wenn du dich zu 100 % mit einem Label identifizierst und alles andere als schlecht siehst.
Jeder Mensch ist einzigartig und damit eine Kombination aus vielen verschiedenen Labels, die nicht limitierend sein sollten.
- Du bist Österreicherin und kannst bei der Fußball-WM trotzdem auch für Deutschland mitfiebern.
- Du bist eine Frau und Feministin und unterstützt Frauen in deiner Arbeit, und trotzdem kannst du eine glückliche Beziehung mit einem Mann führen oder einen Sohn großziehen.
- Du bist Taylor-Swift-Fan und hörst trotzdem auch Musik von ihren Ex-Freunden.
3. Du bestimmst über dein Verhalten, was du über dich denkst
Mit deinem Verhalten kannst du deinem Gehirn zeigen, welche Art von Person du bist.
Du verstärkst bzw. schwächst entweder einen positiven oder negativen Glaubenssatz.
Eine selbsterfüllende Prophezeiung kannst du auch positiv nutzen.
Zum Beispiel:
Wenn du mit deinem Verhalten dir selbst zeigst, dass du fit und gesund bist, dann verstärkst du diesen Glaubenssatz über dich.
Wenn du aufhörst, Introversion schlechtzureden, und sie als Stärke in deinem Business nutzt, dann verbindest du Introversion mit etwas Positivem.
Und so ist der Kreislauf einer negativen selbsterfüllenden Prophezeiung auflösbar.
Verhalten ändert sich → im Gehirn wird neu definiert, wer du eigentlich bist → neue Identität wird aufgebaut → Verhalten verstärkt sich …
Dein Power Action Step, den du gleich gehen kannst
Frage dich ganz ehrlich:
Welche Labels hast du dir aufgesetzt und limitieren dich?
Für mich war es lange das Label: „Ich bin faul.“
Und das war eine sehr ausgeprägte selbsterfüllende Prophezeiung.
Durch neues Verhalten, ausgelöst durch meinen Ehrgeiz, habe ich diesen limitierenden Glaubenssatz aufgelöst. Es wird nicht von einem Tag auf den anderen aufgelöst sein. Auch bei mir hat es Jahre gedauert, vor allem weil ich nicht bewusst darauf geachtet habe.
Aber mit kleinen täglichen Schritten kannst du dein Gehirn überzeugen.
Einen limitierenden Glaubenssatz zu erkennen dauert oft nur 5 Minuten, aber ihn loszuwerden ist der schwierige Teil.
Verhalten, Mindset und Identität kann man nicht über Nacht ändern, auch wenn du es verstehst.
Es braucht neue Erfahrungen, die dir zeigen: Ich kann das doch.
Und wenn einer deiner Glaubenssätze ist:
„Ich bin introvertiert, deshalb ist Netzwerken nichts für mich.“
dann fang genau dort an.
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